Bildband gestalten: Street-Fotografie Berlin
Fotografin Marta Urbanelis zeigt, wie sie aus den Street-Fotografien ihres letzten Berlin-Trips einen professionellen Bildband gestaltet.
Meine Street-Fotografien aus Berlin wollte ich in einem ganz besonderen CEWE FOTOBUCH richtig in Szene setzen: einem selbst gestalteten Bildband. Bei der Bearbeitung in der CEWE Fotowelt Software habe ich gemerkt, wie viele Entscheidungen die Wirkung des gesamten Projekts beeinflussen – von der Papierwahl bis zum roten Faden der Story. Deshalb möchte ich meine wichtigsten Schritte und Überlegungen hier mit dir teilen. So kannst auch du deinen ganz eigenen Bildband kreieren.
Step by Step zur Fotobuch-Gestaltung
In diesem Video erzähle ich euch alles über meine Gestaltung – von der Formatwahl bis zum Storytelling.
Das Format: der erste kreative Rahmen
Zu Beginn jeder Buchgestaltung steht die Frage nach dem Format: Quadratisch, Quer- oder Hochformat?
Das Format gibt deinem Projekt eine visuelle Grundstruktur, aber die Entscheidung muss nicht immer von der Art der Fotos abhängen. Wenn ich meine eigenen Bilder anschaue, fotografiere ich etwa 80 % im Querformat. Rein logisch würde man deshalb denken, dass ein Querformat für das Buch ideal wäre, um die Fotos vollflächig zu zeigen. Aber genau das wollte ich nicht.
Ich liebe Freiraum um meine Fotos. Wenn ein Bild nicht gezwungen ist, über eine ganze Seite zu laufen, nur weil das Format es vorgibt hat mein Foto Platz zum Atmen. Deshalb habe ich mich bewusst für das CEWE FOTOBUCH XXL entschieden – nicht, um die Bilder anzupassen, sondern um ihnen Raum zu geben, sodass die Komposition wirken kann.
Ein zweiter, sehr persönlichen Faktor: Ich habe zu Hause eine große Bildband-Wand, eine Sammlung von Fotobüchern, die mich seit Jahren inspiriert. Ich wollte, dass mein eigenes Buch sich dort ästhetisch einfügt. Dieses Format passt perfekt zu meiner Sammlung – und ja, das klingt vielleicht unkonventionell, aber auch solche Entscheidungen gehören zur Gestaltung: Das Buch soll am Ende nicht nur gut aussehen, sondern sich auch richtig anfühlen.
Die Papierwahl: Die Haptik erzählt mit
Die Wahl des Papiers wird oft unterschätzt. Dabei setzt sie schon beim ersten Anfassen einen Ton. Papier ist nicht neutral – Haptik vermittelt Stimmung, bevor man überhaupt die erste Seite aufschlägt.
Ich habe mich für das Papier Digitaldruck Premium-Matt entschieden. Dieses Papier hat eine samtweiche, reflexionsfreie Oberfläche, wirkt ruhig, edel und unaufgeregt. Durch den reduzierten Glanz entstehen harmonische Farben und Kontraste, die für mich genau das transportieren, was Berlin im Winter ist: rau, ehrlich, reduziert, aber dafür echt.
Wenn du mehr über Papierqualitäten erfahren möchtest, schau gern hier vorbei.
Mein Coverbild war überraschend schnell gefunden. Ich wollte ein klassisches Postkartenmotiv aus Berlin zeigen – aber durch meine Augen, mit meiner Stimmung, mit meiner inneren Winterruhe. Dann stand ich vor dem Brandenburger Tor. Ein Motiv, das millionenfach fotografiert wurde. Und ausgerechnet an diesem kalten Wintertag herrschte perfektes Postkartenwetter: blauer Himmel, Sonnenschein – genau jene Ästhetik, die ich nicht reproduzieren wollte.
Doch ich hatte Glück und direkt vor meinem Fotomotiv eine Demo stattfand. Menschen, Bewegung, Energie – eine lebendige Schicht über dem ikonischen Motiv. Plötzlich bekam das Brandenburger Tor etwas Neues, Echtes, Unvorhergesehenes. In dem Moment, als ich den Auslöser drückte, wusste ich: Das wird mein Cover. Ein Postkartenmotiv – aber mit meiner Handschrift.
Braucht jedes Cover eigentlich einen sichtbaren Titel? Ich denke nicht. Wenn das Cover Motiv eindeutig ist – wie bei mir das Brandenburger Tor wäre das Wort „Berlin“ auf meinem Cover irgendwie doppelt gemoppelt. Dennoch wollte ich, dass mein Buch auf meinem Bücherregal Text trägt – aus ästhetischen Gründen. Während der Gestaltung kam dann ein Pop-up in der Bestellsoftware mit der Frage, ob mein Titel eine Veredelung bekommen soll. Und genau da kam mir die Idee: Warum nicht nur Effektlack verwenden?
Die Buchstaben tragen also keine eigene Farbe, sondern übernehmen die Farben des Fotos – sie werden lediglich lackiert. Das Ergebnis: Das Wort „BERLIN“ ist nur ab und zu sichtbar, je nach Licht und Blickwinkel. Leise, subtil, aber mit einer feinen Präsenz. So bekommt das Cover sowohl Ruhe als auch eine kleine Überraschung, die das Fotobuch noch interessanter macht.
Bevor du das Layout deines Buches entwirfst, empfehle ich dir, erst einmal unsortiert und ohne harte Bewertung durch dein Bildmaterial zu gehen. Sammle alles, was potenziell ins Buch könnte. Beginne dann mit einer ersten, groben Struktur.
Ich sortiere meine Fotos gerne nach Kategorien wie:
- Story: Welches Gefühl oder welche Situation verbindet die Bilder?
- Komposition: Linien, Perspektiven, Licht, Blickrichtungen
- Farben: Welche Farbräume wiederholen sich oder passen zueinander?
- Technik: Bewegungsunschärfe, Lichtführung, Brennweite
Wenn deine erste Sortierung steht, wird es viel einfacher, den roten Faden zu finden.
Ich habe beim Sortieren gemerkt, dass in meinen Berlin-Fotografien besonders oft Gelb- und Rottöne auftauchen. Teilweise war das bewusst – manchmal hatte ich ein Motiv im Kopf und suchte ein passendes Gegenstück dazu. Vieles ergab sich aber erst im Sortierprozess: Plötzlich sieht man Paarungen, Zusammenhänge, Spannungen, die einem beim Fotografieren selbst nicht aufgefallen sind.
Das Kuratieren ist der Kern des Buches. Nicht jedes Bild trägt zur Story bei. Ich prüfe jedes Foto kritisch: Ist es stark? Trägt es etwas Neues bei oder wiederholt es nur bereits Gesehenes? Fotos, die nichts zur Erzählung beitragen, werden aussortiert. Nur die wirklich starken Bilder kommen auf die Seiten.
How to: Seitengestaltung
Eine Seite entsteht nicht einfach, sie wird sorgfältig komponiert. Dabei geht es um Balance, Harmonie und das Erzählen einer kleinen Geschichte auf jeder Doppelseite.
Am Ende des Gestaltungsprozesses habe ich mich noch einmal hingesetzt und die Seitenverteilung optimiert, indem ich bunte und schwarz-weiße Seiten gleichmäßig verteilt habe. So vermeide ich lange monotone Abschnitte und erzeuge einen angenehmen visuellen Rhythmus.
Zeitlicher Ablauf der Story: Ich habe die Fotos so sortiert, dass die Erzählung morgens beginnt und abends endet – ein Tag in Berlin, der sich langsam vom Morgenlicht bis in die Abendstimmung entfaltet.
Diese Feinanpassungen helfen, beim Blättern nicht nur einzelne Bilder wahrzunehmen, sondern die Reise durch die Stadt zu fühlen – mit Rhythmus, Spannung und Ruhe, genau wie es im echten Leben passiert.
Neben der Bildauswahl und -platzierung kannst du die Story deines Buches durch kleine Texte oder handgeschriebene Notizen zusätzlich stärken. Sie müssen nicht immer nur informativ sein. Sie können Emotionen transportieren, eine Stimmung unterstreichen oder den Blick auf Details lenken, die man sonst vielleicht übersieht, z.B. kurze Gedanken, die den Kontext der Fotos erweitern oder ein Gefühl vermitteln, ohne die Bilder zu überlagern.
So wird das Fotobuch nicht nur angeschaut, sondern erlebt – die Kombination aus Bild und Text schafft eine persönliche, emotionale Nähe.
Fazit
Ein Fotobuch ist ein Dialog zwischen deinen Bildern, deiner Ästhetik und der Person, die es in die Hand nimmt. Es ist eine Mischung aus Design, Intuition und Storytelling.
Die Gestaltung meines Berlin-Trips als CEWE FOTOBUCH war nicht nur ein gestalterischer Prozess, sondern auch eine Reise in die Stimmung der Stadt. Berlin im Winter – ruhig, melancholisch, voller leiser Geschichten – die sich in Papier, Farben, Haptik und Bildauswahl widerspiegeln.
Wenn du deinen eigenen Bildband gestaltest, denk daran: Du gestaltest nicht einfach ein Buch. Du kreierst eine Erfahrung.
Ich wünsche dir viel Freude beim Ausprobieren und Gestalten!
Deine Marta Urbanelis
Ein fotografischer Freigeist: Marta Urbanelis
Tipps vom Profi: Lassen Sie sich von der Raffinesse der Fotografin inspirieren

